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Soziales Lernen in den Wohngruppen

Das Zusammenleben in den Wohngruppen nutzen die Pflege- und Erziehungsteams als therapeutisches Feld für soziales Lernen. Im Rahmen der so genannten Sozio-Milieutherapie bekommen die Patienten die Gelegenheit, ungünstige Muster im Umgang mit anderen Menschen zu erkennen und ein funktionaleres Verhalten einzuüben, das sich an vereinbarten therapeutischen Zielen orientiert. Dazu gehört es zum Beispiel, mit Kritik oder Misserfolg umgehen zu lernen, Verantwortung zu übernehmen oder aggressive Impulse zu kontrollieren.

Zentrales Anliegen der Stationsteams ist es, eine professionelle Beziehung zu den Patienten zu gestalten. Viele Patienten machen hier das erste Mal die Erfahrung einer verlässlichen Beziehung: Wird den Beschäftigten anfangs noch mit Misstrauen oder Argwohn begegnet, kann hier nach und nach Vertrauen entwickelt werden. Positive Beziehungserfahrungen ersetzen dysfunktionale Beziehungsmuster und tragen zur Entwicklung sozialkompetenter Verhaltensweisen bei.

 

Sonnenblumen wachsen an einem Zeit innerhalb der Klinikmauern. (Bild: LWL/SchuFi).

Grundlegende Alltagsfertigkeiten

Je nach Krankheitsbild und bisherigen Lebensbedingungen geht es häufig auch um grundlegende Fähigkeiten des Alltags: morgens aufstehen, persönliche Hygiene einhalten, Essen zubereiten. Für einige ist all dies kein Problem, für andere ist es ein mühsamer Lernprozess, für den sie Anleitung und Unterstützung benötigen.

Ein Beispiel sind die so genannten Selbstversorgungsgruppen, die von den Pflegeteams begleitet werden. Fortgeschrittene Patienten übernehmen hierbei ihre Essenversorgung selber: von der Planung über den Einkauf bis zur Zubereitung der Speisen, Meinungsverschiedenheiten inklusive.

Mehrere Töpfe dampfen auf einem Herd. Jemand schüttet Nudeln hinein. (Bild: LWL/Arendt)

Sinnvolle Freizeitgestaltung

Nicht jedem fällt es leicht, freie Zeit konstruktiv zu füllen. Gerade die Pflegeteams sind auch abends und am Wochenende präsent – wenn die Patienten weniger in reguläre Aktivitäten eingebunden sind. Gemeinsam mit den Patienten bemühen sie sich um eine sinnvolle Freizeitgestaltung, denn diese gehört zu einem guten sozialen Miteinander und kann dazu beitragen, schädliche Routinen zu durchbrechen.

Neben diversen einfachen Angeboten wie Spieleabenden oder Billardwettbewerben betreiben Pflegebeschäftigte in einem der Stationshöfe ein kleines Gehege mit Minischweinen, die sie gemeinsam mit Patienten betreuen. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich in kleinen Gruppen in der Klinikcafeteria zu treffen, wo gelegentlich auch externe Musikgruppen oder andere Kleinkünstler auftreten.

Ein helles und ein dunkles Minischweine, die von einem Mann gefüttert und gestreichelt werden. (Bild: LWL)